Bilfinger Berger verantwortungslos
8. März 2010 at 23:51 Hinterlasse einen Kommentar
Ein schönes Beispiel für die Realitätsferne in Chefetagen gibt derzeit der Baukonzern Bilfinger Berger ab. In dem Onlineartikel der ZDF heute Redaktion heißt es u.a.:
Der Vorstandsvorsitzende Herbert Bodner sagte am Montag auf einer Pressekonferenz in Mannheim eine gründliche Prüfung zu. Er wandte sich dagegen, trotz unklarer Faktenlage bereits öffentliche Schuldzuweisungen vorzunehmen. “Das ist in hohem Maße verantwortungslos und rufschädigend”, sagte Bodner.
Für rufschädigend halte ich nicht das Berichten über Mißstände, sondern die Mißstände selbst. Und verantwortungslos sind (ausnahmsweise mal) nicht die Medien, sondern die kriminellen Angestellten von Bilfinger Berger.
Aber immerhin müsse man davon ausgehen, dass “langjährige, ordentlich bezahlte Mitarbeiter von Bilfinger Berger vorsätzlich technische Unterlagen gefälscht und Bewehrungsteile nicht eingebaut haben”, sagte der Konzernchef. “Ein derartiges persönliches Fehlverhalten ist völlig unakzeptabel und im Gegensatz zu allen Werten, für die Bilfinger Berger steht.” Vier Beschäftigte, darunter zwei Poliere, seien entlassen oder von der Arbeit entbunden worden.
Vier Beschäftigte? Nur vier können den Riesenkonzern so schädigen? Da muss mehr dahinterstecken — da sollen größere Dimensionen des Skandals verschleiert werden. Und wieso entlassen ODER von der Arbeit entbunden? Heißt das, die Leute werden weiter von BB bezahlt, dürfen nur momentan nicht für ihr Geld arbeiten? Sehr konsequent.
Der Vorsitzende der deutschen Spezialtiefbauunternehmen im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Michael Knöfel, betonte am Montag in Berlin, die Bevölkerung könne sich auf die Qualifikation und Leistungsfähigkeit deutscher Ingenieure und Baufacharbeiter verlassen. Leib und Leben der Bundesbürger seien – anders als in einem Teil der Medien dargestellt – keineswegs gefährdet.
Na wie jetzt, Herr Knöfel: sind Ihre Ingenieure so qualifiziert, dass Sie herausfinden, warum das Kölner Stadtarchiv eingestürzt ist oder nicht? Wurde das Leben zweier Bundesbürger beim Einsturz ausgelöscht oder nicht? Heutzutage kann bestimmt so gebaut werden, dass ein Bauwerk mindestens solange hält, bis kein Verantwortlicher mehr auszumachen ist und sämtliche Haftungen verjährt sind. Das ist eine besonders ‘nachhaltige’ Gefährdung für Leib und Leben der Bundesbürger!
Mittlerweile wurde ein ‘Experte’ (Prof. Fritz Berner, Institut für Baubetriebslehre Uni Stuttgart) aufgetrieben, der versichert, dass trotz der fehlenden Stahlteile die Stützwände sicher seien. Was soll der Mist? Sind dieselben Ingenieure zu blöd, die Wände richtig zu berechnen? Braucht man nun die Stahlteile oder nicht?
Das Verhalten aller Beteiligten ist der Skandal: Planer, die nicht überschauen, was sie tun / Bauarbeiter, die bewusst und geplant kriminell handeln / Prüfinstitutionen, die das nicht bemerken / Vorgesetzte, die verschleiern wollen / Experten, die gegen Bezahlung falsche Gutachten erstellen. Eine ganze Branche pfeift auf die Sicherheit der Bürger zugunsten des eigenen Profits. Eigentlich nichts Neues. Armes Deutschland.
Eintrag abgelegt unter Wirtschaft. Tags: baustelle, bilfinger, pfusch, ubahn.

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